Ehrung für autofreie „Exoten“
VON JÖRK BÖHNK,
Kölner Stadtanzeiger vom 18.09.07
Das neue Wohngebiet wird als ein „besonderer Ort für besondere Menschen“ gesehen.
„Es gibt tatsächlich Leute, die kein eigenes Auto haben und wie Exoten wirken,“ scherzte Markus
Schwerdtner. Der Geschäftsführer der „Kontrola“-Treuhandgesellschaft, die die autofreie Siedlung
„Stellwerk 60“ in Nippes entwickelt hat, freute sich gestern über eine besondere Auszeichnung. Das
65-Millionen-Euro-Projekt wurde von der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ als wegweisend
gewürdigt. Barbara Moritz, Fraktionschefin der Grünen und seit zehn Jahren für das Projekt
engagiert, ergänzte: „Ich hoffe, dass sich hier ein »quirliges Viertel« entwickelt.“ Mit den Worten
„Dies ist ein besonderer Ort für besondere Bewohner“ überreichte Arndt Fischer von der Deutschen
Bank, die mit der bundesweiten Initiative kooperiert, eine Urkunde samt gläsernem Pokal.
Vorreiter in Deutschland
„Wir sind Vorreiter in Deutschland“, betonte Schwerdtner. In der Tat: Mit einer Fläche von vier
Hektar und 450 unterschiedlich gestalteten Wohneinheiten ist das Gelände des alten
Eisenbahnausbesserungswerks bundesweit die größte auf autofreies Wohnen zugeschnittene
Stadtteilerweiterung. Schwerdtner: „Das Konzept von Stellwerk 60 - mehr Natur, Ruhe und
Miteinander inmitten der Großstadt - ist eine urbane Lebensform, die zunehmend an Bedeutung
gewinnen wird.“
In der autofreien Siedlung zwischen Kempener- und Werkstattstraße finde jeder seinen Platz, junge
und alte Menschen, Familien, Besserverdienende und weniger Betuchte, denen öffentlich
geförderter Wohnraum zur Verfügung steht. Kurz: „Ein Spiegelbild der Gesellschaft.“
„365 Orte im Land der Ideen“ - unter diesem Motto läuft die Kampagne der in Berlin ansässigen
Initiative. Ein ganzes Jahr lang, Tag für Tag, werden herausragende Projekte aus allen
gesellschaftlichen Bereichen gewürdigt. Als nächste Kölner Einrichtung ist am 1. November die
Sporthochschule mit einer Ausstellung an der Reihe.