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Kritische Gedanken zur Stadtentwicklung Seit der letzten Mitgliederversammlung im August 2007 ist ein halbes Jahr vergangen. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen sowie eine Einschätzung über die weitere Zukunft des Arbeitskreises und dessen Zukunftsfähigkeit abzugeben. Gespräche mit der
Politik – kein Empfang mit offenen Armen Als wir unsere Ziele, wie kinder- und familienfreundliches Bauen und Nachhaltigkeit, vorgetragen und diskutiert haben, war zumindest in manchen Gesprächen unterschwellig zu hören, dass man dazu den Arbeitskreis Autofreie Siedlung Köln (ASK) ja eigentlich nicht mehr benötige, diese Ziele seien ja mittlerweile schon „Common Sense“ und würden auch von den Investoren schon berücksichtigt (z.B. Pauli-Höfe, Rhein-Kai). Wie kinder- und
familienfreundlich und wie nachhaltig wird heute gebaut?
Dem können wir nicht zustimmen: Man stößt noch häufig genug auf
Neubaugebiete, vor allem in der Peripherie, mit Stellplätzen und
Erschließungsstraßen direkt vor der Haustüre. Da auch hier zu schnell gefahren
wird, müssen die Kinder zum Spielen separate Spielplätze aufsuchen, der
Straßenraum (häufig als „Spielstraße“! ausgewiesen) ist in der Regel zu
unsicher. Das sehen wir nicht als kinder- und familienfreundlich an.![]() gutes Beispiel für eine schlechte Spielstraße
![]() viel Platz für Autos (Foto Lincoln Institute of Land Policy) Auch was die Nachhaltigkeit im Energiebereich angeht, so wird bislang nur in seltenen Fällennach KfW-60 gebaut. Also, hier scheint – entgegen der Bekundungen der Politik – noch einiges zu fehlen, zumindest aus unserer Sicht. Also doch noch eine Aufgabe für den ASK? Wer kümmert sich um eine
wirklich zukunftsfähige Stadtentwicklung?
Wir reden hier nicht vom vielbeschworenen Klimawandel. Obwohl wir dieses Thema absolut wichtig finden, ist hier noch nicht mal in Ansätzen erkennbar, dass Politik und Verwaltung dabei einen Zusammenhang mit der Stadtentwicklung erkennen. Es wird weiter so geplant, wie bisher. Auswirkungen auf den Städtebau: Fehlanzeige. Aber bereits jetzt ist ein großer und mächtiger Verbündeter für unsere Ziele vernehmbar: Der Ölpreis. Und dieser Ölpreis wird uns, den ASK, bei seinen zukünftigen Aufgaben maßgeblich unterstützen. Zitat: „Ausgehen werden uns die Ölvorräte noch für Jahrzehnte nicht, aber das "Ausgehen" ist nicht das Problem. Die beiden wirklich wichtigen Fragen sind, wann uns das billige Öl ausgeht, und ab wann es Versorgungsengpässe gibt. Einschlägige Experten sind der Meinung dass sowohl das Zeitalter des billigen Erdöls vorbei ist als auch dass es Versorgungsengpässe geben wird.“. Es gibt Experten, die damit rechnen, dass in ca. 15 Jahren das Zeitalter des preiswerten, des für die breite Bevölkerung bezahlbaren Öls zu Ende geht. Es ist nach unserer Einschätzung nicht so wichtig, ob es nun 15, 20, 25 oder gar 30 Jahre sein werden. Wichtig ist, und das wissen alle: Die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige. Wie lange reichen die Ölreserven? Allerdings mit gravierenden Hinterlassenschaften:
Hierin sehen wir auch unsere Aufgabe, nämlich zu einem Umdenken so früh wie möglich beizutragen und schon frühzeitig die Weichen richtig zu stellen. Ein ASK-Masterplan für
Köln?
Macht beispielsweise die immer wieder geforderte Tieferlegung der Nord-Südfahrt noch Sinn? Oder wird hier möglicherweise viel Geld in ein Bauwerk investiert, welches gar keine Chance mehr hat, sich zu amortisieren? Jeder Euro, der heute noch in das auslaufende MIV-System investiert wird, wird fehlen, wenn es um die erheblichen Kosten der Umstellung auf ein nicht-MIV-basiertes Verkehrssystem geht. Schlussfolgerungen für den Siedlungsbau: Eine konsequente Entwicklung von Siedlungen, die im Wohnbereich autofrei sind, möglichst stellplatzreduzierte Parkplätze bzw. Parkhäuser am Siedlungsrand in preiswerten weniger attraktiven Lagen, auch entfernte Lagen sind möglich. Diese Quartiersgaragen oder Parkhäuser kann man später relativ preiswert zurückbauen, sprich abreißen. ![]() autofreier Wohnbereich in der Autofreien Siedlung Köln-Nippes
Und wie geht man mit dem Siedlungsbestand in Köln um?
Glücklicherweise sind hier die meisten Straßen und Viertel älter, viel älter als der MIV, d.h. sie haben per se zukunftstaugliche Dimensionen. Die Infrastruktur, die Hardware passt. Hier braucht im Wesentlichen nur die Software angepasst werden:
Überzeugungsarbeit ist angesagt. Harte, langwierige Überzeugungsarbeit, allerdings: Der Ölpreis wird uns unterstützen. Warum soll sich der
ASK um diese Aufgabe kümmern?
Weil wir weit und breit die einzigen sind, die – zumindest was Wohnsiedlungen anbelangt - bereits jetzt schon entsprechende und praktikable Konzepte für die Zukunft ausgearbeitet haben. Wir haben dafür schon einen „Masterplan“. Und wir haben dazu mit der Autofreien Siedlung in Köln-Nippes bereits heute ein Modell – übrigens von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Februar 2007 als beispielhaftes Projekt in der Entwicklung neuer Wohn- und Lebensformen ausgezeichnet - anhand dessen wir zeigen können, wie die Zukunft funktionieren kann. ![]() Hier können Kinder ungestört und ungefährdet spielen. Die nächsten
konkreten Schritte
Es stellt sich jetzt die Frage, wie wir die beschriebene Strategie konkret umsetzten können. Werfen wir einen Blick auf drei derzeit geplante Baugebiete, die sich für alternative Siedlungsprojekte eignen:
Nach wie vor gilt der Aufruf an alle: Arbeitet mit! Je schneller wir ein Umdenken erreichen, desto besser wird es für die zukünftigen Generationen sein. Und vielleicht kommt ja doch noch der/die eine oder andere zu seiner/ihrer Lebzeit in den Genuss des autofreien Wohnens. Hans-Georg Kleinmann www.autofreie-siedlung-koeln.de
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