Häufig gestellte Fragen zum Thema Autofreie Siedlung:

...und warum heißt das Kapitel eigentlich "FAQ's"?
Es müßte eigentlich HGF = "Häufig Gestellte Fragen" heißen. Da im Computerbereich die englische Sprache tonangebend ist, heißt es eben "Frequently Asked Questions", also FAQ

Eine Autofreie Siedlung - was ist das?
Die Autofreie Siedlung bietet den Menschen, die bereits wissen, wie einfach das Leben ohne Auto zu organisieren ist, ein neues Wohnungsangebot. Schon heute leben mehr als ein Drittel der Kölner Haushalte ohne eigenes Auto. Ihnen und all jenen, die ihr Auto abschaffen wollen, sollen Qualitäten zugänglich gemacht werden, die nur entstehen, wenn viele autofreie Haushalte an einem Standort zusammenleben. Die Autofreie Siedlung auf dem EAW-Nippes zeichnet sich durch außergewöhnliche Wohnumfeldqualitäten aus. Anstelle von breiten Fahrbahnen oder Tiefgaragen mit versiegelten Oberflächen entstehen verkehrssichere Fußwege, Plätze und Grünflächen, frei von Abgasen und Motorenlärm - zur vielfältigen Nutzung für Kommunikation und Freizeit

Autofreie Siedlung - gut, aber wo parken die Autos?
Ursprünglich war geplant, dass in der autofreien Siedlung in Köln-Nippes nur Menschen wohnen, die kein Auto besitzen und sich auch keins anschaffen, solange sie dort leben. Deshalb waren auch keine Stellplätze, Parkplätze, Garagen oder Fahrstraßen für die Bewohnerinnen und Bewohner vorgesehen. Leider jedoch hat der Investor zu Beginn der Vermarktung befürchtet, dass er nicht genügend autofreie Käufer findet und hat die Stadt gebeten, den Stellplatzschlüssel von 0,0 auf 0,5 zu erhöhen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat schließlich einen Stellplatzschlüssel von 0,2 beschlossen. Für die maximal 80 nicht autofreien Haushalte der Siedlung wurde deshalb am Siedlungsrand ein Parkhaus errichtet.

Aber viele Besucher kommen mit dem Auto und wo parken die?
Für autofahrende Besucher gibt es in dem Parkhaus am Siedlungsrand 40 Stellplätze, so dass kein Besucher-PKW bei den Nachbarn vor der Tür parken muß. Im Rahmen einer Mobilitätsberatung können die Besucher über die Möglichkeiten des ÖPNV informiert werden. Die meisten Besucher reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad an.

Wird da nicht das Auto verteufelt?
Viele der Interessentinnen und Interessenten einer Autofreien Siedlung fahren Auto und das sogar gerne. Sie verteufeln Autos nicht – sie besitzen lediglich kein eigenes Auto, da sie verschiedene Mobilitätsmöglichkeiten nutzen. Je nach Weg werden die meisten Strecken zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV zurückgelegt. Wenn für einzelne Fahrten ein Auto gebraucht wird, bietet der Car-Sharing-Pool verschiedene Autos an, vom Kleinwagen bis zum Kombi oder Kastenwagen. Da so nur die Zeit bezahlt wird, in der ein Auto genutzt wird, wird das Geld für dessen Anschaffung und Unterbringung gespart.

Was ist, wenn jemand trotzdem ein eigenes Auto besitzt oder eins auf einen Verwandten anmeldet?
Wer in der autofreien Siedlung lebt, hat aus freien Stücken im Miet- oder Kaufvertrag eine "Autofrei"-Klausel unterschrieben oder er hat einen der wenigen im Parkhaus zur Verfügung stehenden Stellplätze gekauft oder gemietet. Autofreiheit ist ein Bestandteil der Lebensqualität und für niemand eine Last, um die er sich drücken will. Wer Auto fahren will, leiht sich eins oder bestellt ein Taxi. Wer eine autogerechte Wohnung sucht, hat dafür die ganze restliche Stadt zur Verfügung. Leider gibt es jedoch einige wenige Bewohner, die trotzdem ein Auto besitzen und dieses im Umfeld parken. Dieses führt naturgemäß zu Spannungen mit den dort wohnenden Menschen und führt zu Ressentiments gegenüber der Autofreien Siedlung. Die Stadt denkt deshalb darüber nach, in diesem Stadtteil das Anwohnerparken einzuführen.

Wie werden die Nutzung und der Besitz von Kraftfahrzeugen für Käufer und Mieter geregelt?
Der Bebauungsplan zur Autofreien Siedlung auf dem EAW Köln-Nippes schließt die Möglichkeit der Befahrbarkeit der Wege und Plätze der Siedlung für private PKWs aus. Lediglich Rot- und Blaulichtfahrzeuge, Müll- und Umzugsfahrzeuge können die Siedlung befahren. Stellplätze für PKWs gibt es nur im Parkhaus am Rande der Siedlung, die auch für die Besucher- und Car-Sharing-Autos zur Verfügung steht. Diese städtebaulichen Regelungen zur Autofreiheit werden ergänzt durch privatvertragsrechtliche Maßnahmen. Zur Sicherung der "Autofreiheit", an der sowohl Mieter als auch Vermieter (bzw. Eigentümer) ein Interesse haben, werden privatrechtliche Vereinbarungen getroffen. Entsprechende Bestandteile von Kauf- und Mietverträgen sind bindend. Bei Verstößen können Vertragsstrafen und sogar Kündigungen ausgesprochen werden.

Was ist, wenn sich die nächste Generation von Bewohnerinnen und Bewohnern Autos anschaffen will?
Beim Bau der Siedlung wird eine sogenannte "Vorhaltefläche" geschaffen, die freigehalten und als Grünfläche genutzt wird. Sollte die Siedlungsgemeinschaft sich irgendwann in der Zukunft vom Gedanken der Autofreiheit trennen wollen, kann diese Fläche dann in eine Stellplatzfläche umgewidmet werden. Natürlich nur, wenn die überwiegende Mehrheit der Siedlungsgemeinschaft dies wünscht.

Was ist, wenn ich den Arbeitsplatz wechsele und dann auf ein Auto angewiesen bin?
Der Wechsel der Arbeitsstelle hat keinen Einfluss auf Miet- und Kaufverträge oder die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung. In einem solchen Fall ist es empfehlenswert, sich um eine Fahrgemeinschaft zu kümmern oder die Benutzung des Car-Sharing zu prüfen. Falls ein Stellplatz im Parkhaus am Rande der Siedlung frei sein sollte, kann auch ein solcher gekauft oder gemietet werden. Ein Vorteil der Autofreien Siedlung ist die Entkopplung der Kosten für die eigene Wohnung von möglichen Kosten einer eventuellen PKW-Nutzung. So steht für Zeiten notwendiger PKW-Nutzung ein Auto zur Verfügung – es entstehen aber auch nur in diesen Zeiten entsprechende Kosten. Falls sich keine zufrieden stellende Lösung finden sollte, unterstützt die Siedlungsgemeinschaft den betroffenen Menschen beim Verkauf oder Tausch seiner autofreien gegen eine autogerechte Wohnung.

Mein Sohn wird 18 und will ein Auto. Das kann ich ihm doch nicht verbieten?
Solange die Familienmitglieder in der autofreien Siedlung wohnen, sind sie an die "Spielregeln" gebunden, was den Gebrauch von Kraftfahrzeugen angeht. Also: Kein Fahren in der Siedlung. Aber: Auch für diesen Wunsch steht der Car-Sharing-Pool zur Verfügung. Die dort eingesetzten Autos haben gegenüber dem „eigenen“, meist alten Auto zudem den Vorteil, ständig gut gewartet und verkehrssicher zu sein.

Ich kann mir Einkaufen ohne Auto nicht vorstellen. Wie kriege ich den Wasserkasten nach Hause?
Das ist eine Frage der Gewohnheit: Hunderttausende Kölner praktizieren schon heute den Einkauf ohne eigenes Auto. Statt des Großeinkaufs einmal in der Woche werden von den Haushalten ohne Auto täglich kleinere Mengen eingekauft. Dies ist auch für Bewohner der Autofreien Siedlung gerade auf Grund des guten Angebotes an Läden in der Nachbarschaft zu Fuß oder mit dem Fahrrad problemlos möglich. Zur Unterstützung können in der Mobilitätszentrale kostenlos Handkarren und Fahrradanhänger entliehen werden. Darüber hinaus gibt es einen Lieferservice, der die Getränke einmal pro Woche direkt an die Haustüre liefert oder gegen einen kleinen Aufpreis in die Wohnung oder den Keller trägt. Auch kann ein Car-Sharing-Auto der Lösung aller anderen Fälle behilflich sein.

Dürfen Behinderte mit dem Auto in die Siedlung fahren und dort parken?
Ca. 90% der Behinderten in Deutschland haben kein Auto. Behinderte, die permanent auf ein Auto angewiesen sind, sollten eine autogerechte Wohnung anmieten. Für den Fall, dass Bewohner der Autofreien Siedlung Behinderungen mit Mobilitätseinschränkungen erleben, die durch ein speziell ausgerüstetes Auto erleichtert werden, können durch Härteklauseln Ausnahmeregelungen ermöglicht werden. Für behinderte Besucher werden im Parkhaus Parkplätze reserviert.

Wie ist es mit der Bodenbelastung des Geländes, das ja lange von der Bahn genutzt wurde?
Das Gelände wurde gründlich untersucht. Bodenbelastungen wurden gefunden, die aber nicht wasserlöslich sind. Eine Gefährdung des Grundwassers ist nicht gegeben. Da, wo im Baugebiet noch Schadstoffe waren, wurden diese vor Baubeginn entsorgt.

Eine Kindertagesstätte war früher am Rand der Autofreien Siedlung vorgesehen, wo ist diese jetzt?
Da, wo früher die Kindertagesstätte hin sollte, ist jetzt das Parkhaus gebaut worden. Die KiTa wird jetzt im nördlichen Bereich gebaut, also im autogerecht erschlossenen Teil des Geländes. Sie ist auf jeden Fall fußläufig erreichbar.

Wird die Kostenersparnis beim Bau der Autofreien Siedlung an Mieter und Käufer weitergegeben?
Tatsächlich werden beim Bau der autofreien Siedlung Kosten für die Verkehrs- und Parkflächen eingespart. Allerdings werden in viel höherem Umfang sichere, trockene und komfortable Unterstellplätze für Fahrräder errichtet werden. So werden die eingesparten Gelder teilweise nur umgeschichtet.

Wann ist die Fertigstellung der Siedlung geplant?
Zurzeit (Mai 2008) sind etwas mehr als die Hälfte der geplanten 400 Wohneinheiten bezogen. Weitere knapp 100 Wohneinheiten befinden sich im Bau. Die Fertigstellung der Siedlung ist voraussichtlich 2010 abgeschlossen.

Was kosten die Wohnungen, wie hoch sind die Mieten?
Die Preise bewegen sich auf dem örtlichen Niveau. Es gibt frei finanzierten und öffentlich geförderten Wohnraum. Es wird auch ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt innerhalb des öffentlich geförderten Wohnungsbaus realisiert.

Welche Rolle spielte der Verein ASK e.V. beim Bau der autofreien Siedlung?
Der Verein ASK e.V. ist kein Hersteller, Verkäufer oder Vermieter von Wohnraum. Der Verein betreibt Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung des Projektes. Er führt entsprechende Veranstaltungen durch, führt und pflegt die Interessenlisten. Der Verein vertritt die Interessen seiner Mitglieder in der Verwaltung, z.B. im Stadtplanungsamt, in der Politik, dort hauptsächlich im Stadtentwicklungsausschuss und der Bezirksvertretung. Der Verein erarbeitete maßgeblich die speziellen Autofreien Qualitäten, welche von der Kontrola, dem Investor, umgesetzt wurden und werden.

Wenn Sie auf ihre Fragen keine Antworten gefunden haben, kümmern wir uns gerne darum. Um uns die Bearbeitung zu erleichtern, formulieren Sie Ihre Fragen bitte schriftlich per Post, Fax oder E-Mail an:

Arbeitskreis Autofreie Siedlung Köln e.V.
Melchiorstr.3
50670 Köln
Telefax: 0221-7328610
E-Mail: info@autofreie-siedlung-koeln.de

   


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